Stottern

Stottern

«Mein Leben wandelte sich vom Leben im Problem zum Leben in der Lösung.»
Scatman John, Popsänger, Stotterer


Ziele der Therapie

gespraechIm Vordergrund stehen die individuellen Ziele der stotternden Person und ihres Umfeldes. Angestrebt wird eine möglichst hohe Flüssigkeit beim Sprechen. Das Endziel ist eine gute kommunikative Kompetenz, Vertrauen in die eigenen Äusserungen und mehr Sicherheit beim Sprechen.

Neu! In meiner Praxis kann jederzeit eine Zweitmeinung eingeholt werden. Auch können in frei wählbaren Zeitabständen einzelne Beratungsgespräche besucht werden.

Das Therapieangebot richtet sich an stotternde Menschen jeden Alters. Für Personen mit langem Anfahrtsweg biete ich neu Beratungen per Telefon oder Skype an.


Schwerpunkte

  • Information und Beratung zum Thema Stottern
  • Sprechtechniken und Stotter-Veränderungs-Möglichkeiten
  • Erweiterung des Selbstvertrauens (Gespräche, Mutübungen)
  • Bearbeitung problematischer Alltagssituationen (Rollenspiele, Gespräche, In-vivo-Übungen)
  • Gestalterischer Ausdruck (Theaterspiel, Malen, Videoaufnahmen)
  • Gespräche mit Familienmitgliedern, Lehr- und Fachpersonen
  • Angebot von Gruppen-Therapie (Training von Sprechanlässen, Gespräche mit anderen Stotternden)

Mehr zu den Zielen & Inhalten der Stottertherapie
Verschiedene Medienberichte zum Thema


Fernseh- und Radiobeiträge

José Amrein live im Fernsehen! In der Sendung «Gesundheit Sprechstunde» von SRF1 stelle ich meinen Therapie-Ansatz vor. Der Beitrag ist bei Minute 03:25 zu finden. Hier gehts zur Sendung…

In «Glanz & Gloria» äussere ich mich zum empfehlenswerten Film «The King′s Speech». Der Beitrag erzählt vom stotternden König Georg VI. Hier gehts zur Sendung…

Radio Neo 1 thematisiert das Stottern:


Gruppentherapie

Die Gruppe bietet eine ideale Gelegenheit, das Sprechen in geschütztem Rahmen realitätsnah zu trainieren, neue Verhaltensweisen auszuprobieren und sich Situationen, die Angst auslösen, zu stellen. Durch gestalterische und kreative Therapie-Elemente wird das Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen der Stotternden gestärkt.

Besonders positive Wirkung zeigen die Partnerübungen: Auf spielerische Art werden neue Sprechtechniken trainiert, problematische Alltagssituationen und deren Lösungen in Rollenspielen dargestellt und Mutproben auf der Strasse oder am Telefon gewagt.

Die Gruppentherapie findet in der Regel einmal monatlich statt und dauert drei Stunden.

Neu wird für Kinder, Jugendliche und Erwachsene je eine einzelne Gruppe angeboten.


Kosten

Die Finanzierung der Stottertherapie wird bis zum 20. Lebensjahr mehrheitlich von den Kantonen und den Gemeinden gewährleistet. Nach dem 20. Lebensjahr werden die Kosten in vielen Fällen von der Grundversicherung der Krankenkasse übernommen. Personen, welche sich einen Besuch der Therapie aus finanziellen Gründen nicht leisten können, werden vom Verein «Stottertherapie» unterstützt.

Die Kosten für Selbstzahler belaufen sich auf CHF 140.- pro Therapieeinheit. Durch die Selbstfinanzierung ist die Motivation oft besonders hoch und die Gesamtdauer der Therapie verkürzt sich in vielen Fällen.

«Das Stottern besteht aus viel mehr als nur aus einer Sprechbehinderung. Ich nenne ein paar Punkte: sich zurückziehen, Komplexe haben, sich nicht trauen, Wünsche beiseite legen, sich nicht ernst nehmen.» Gülcan, 26

Der Film «The King’s Speech» zeigt auf anschauliche Weise, was ich in einer Stottertherapie als wesentlich erachte. Nicht ein abstraktes Konzept mit 100 Punkten, die stur von 1-100 durchlaufen werden müssen, bildet die Basis der Therapie, sondern die menschliche Begegnung.

Ermutigung, ein gleichwertiger Dialog, das direkte Angehen und Trainieren von schwierigen Kommunikationssituationen, die Förderung der Selbstverantwortung, der Einsatz von Humor und aussergewöhnlichen Interventionen bilden die Kernpunkte der Therapie.

Da Stottern in Selbstgesprächen kaum auftritt und sehr gefühlsabhängig ist, besteht ein grosser emotionaler und zwischenmenschlicher Anteil. Anstelle der Anwendung einer einzigen Methode halte ich deshalb eine individuelle, situationsangepasste Herangehensweise in der Stottertherapie für wichtig und wirkungsvoll. Mit der Verwendung unterschiedlicher Therapie-Bausteine kann sehr individuell auf die Bedürfnisse der einzelnen Klienten und ihrer Bezugspersonen eingegangen werden. Kreative Elemente wie Geschichten erzählen, Phantasiereisen, Zeichnen, Handpuppenspiel, Theater und Kommunikationsspiele aktivieren die Ressourcen auf spielerische Weise. Weitere wichtige Therapie-Bausteine sind: Mündliche Ausdrucksfähigkeit trainieren, verschiedene Sprechweisen ausprobieren und anwenden, Informationen zum Thema Stottern, In-vivo-Arbeit und Mutübungen, Rollenspiele, Gespräche zur Lösung von Problemen und zur Entwicklung persönlicher Fähigkeiten.

Ziele bilden eine zentrale Komponente in der Stottertherapie und sollten wenn möglich mit Eltern und Kindern gemeinsam vereinbart werden. Wichtige Ziele einer Therapie sind:

  • Verbesserung des Redeflusses (ohne Garantien abzugeben)
  • Optimaler Umgang mit dem Stottern
  • Weiterentwicklung persönlicher Fähigkeiten (Selbstvertrauen, Kontaktfähigkeit, Selbstverantwortung, Konfliktverhalten, Spontaneität, freie Meinungsäusserung)

Da das Stottern fast ausschliesslich in kommunikativen Situationen auftritt, liegt es auf der Hand, die dialogischen und zwischenmenschlichen Fähigkeiten von Stotternden zu stärken und zu verbessern. Nicht das Symptom oder das Problem stehen also im Zentrum, sondern der Mensch, sein Potenzial und seine Entfaltungsmöglichkeiten. Bei der Rückmeldung am Ende der Therapie werden die Förderung eines aktiven Kommunikationsverhaltens, die Verbesserung des Selbstvertrauens und der Spontaneität häufig als wirksamste Faktoren für den Therapieerfolg erwähnt.

Das Einüben einer langsamen Redeweise und das Einhalten von Sprechpausen verbessern den Redefluss in vielen Fällen. Das Pseudo-Stottern bildet eine interessante Möglichkeit für den spielerischen Umgang mit dem Stottern. Das Anpacken angstbeladener Situationen reduziert Stress und Unsicherheit und ermöglicht Schritt für Schritt neue Erfolgserlebnisse. Die Anforderungen der alltäglichen Kommunikation sollen in der Therapie immer wieder trainiert werden, mit Hilfe von Rollenspielen, Videoaufnahmen, spielerischen Formen oder Alltagsgesprächen. Stotternde erleben von ihrem Umfeld oft zu viel Druck, werden aber nicht selten auch allzu sehr geschont. Es ist deshalb eine wichtige Aufgabe der Therapie, stotternde Menschen durch Gespräche, Übungen und gezielte Aufgaben mutiger und belastbarer zu machen.

Humorvolle, paradoxe und provokative Interventionen sind noch wenig bekannte aber sehr wirksame Mittel in der Stottertherapie. Sie können jederzeit mit anderen Gesprächstechniken und Kommunikationsstilen kombiniert werden. Gruppentherapien mit anderen Direktbetroffenen und die Integration von Freunden, Geschwistern und Eltern in der logopädischen Therapie erhöhen die therapeutische Wirksamkeit. Gespräche mit Bezugspersonen tragen viel zum Erfolg einer Stottertherapie bei.

Wichtige Themen solcher Gespräche sind: Klärung offener Fragen, Umgang mit dem Stottern, Konfliktlösung in der Familie und die Entfaltung zwischenmenschlicher Fähigkeiten der Eltern und der Kinder. Durch regelmässige Familiengespräche gelingt es vielen Eltern, unnötige Schuldgefühle und allzu grosses Mitleid loszulassen, einen möglichst lockeren Umgang mit dem Stottern zu lernen und zu überlegen, was Eltern und Geschwister zur Verbesserung des Redeflusses beitragen können.

Der lösungsorientierte Ansatz in der Stottertherapie

Häufige Fragen

Ist Stottern heilbar?
Je früher eine Stottertherapie begonnen wird, desto höher sind die Heilungschancen. Jugendliche und Erwachsene mit langjährigen Stotter-Erfahrungen benötigen viel Geduld und Ausdauer. Chronisch Stotternden eine vollkommene Heilung zu garantieren, ist unprofessionell. Heilung ist zwar auch bei Erwachsenen möglich, eine Garantie dafür gibt es jedoch nicht. Besonders positiv wirken sich Ausdauer, Akzeptanz von Rückfällen und die Bereitschaft zu Veränderungen aus.

Ist Stottern psychisch bedingt? Welches sind die Ursachen des Stotterns?
Wissenschaftlich gibt es keine schlüssige Antwort auf diese Frage. Hirnorganische und sprachliche Aspekte verursachen mit Sicherheit einen Teil des Stotterproblems. Wenn Stotternde für sich allein sind, kommt es nur sehr selten zu Sprechblockaden. Daher ist davon auszugehen, dass Denk- und Verhaltensmuster sowie Beziehungsaspekte bei der Stotterproblematik eine wesentliche Rolle spielen. Positive persönliche Veränderungen haben in den meisten Fällen auch eine Verbesserung des Redeflusses zur Folge.

Gibt es sinnvolle Tipps für stotternde Menschen?
Jeder Stotternde muss individuell einen Weg aus seinen Sprechblockaden finden. Bücher und Therapien können Impulse geben, die grösste Arbeit aber liegt beim Stotternden selbst und seinem Umfeld. Neue positive Erfahrungen stärken das Selbstvertrauen und führen aus der Sackgasse heraus.

Wie reagiert man am besten auf Stotternde?
Stotternde finden es am angenehmsten, wenn man sich im Kontakt mit ihnen ganz natürlich verhält. Tipps, Ermahnungen, Schonung und Tabuisierung sind selten hilfreich. Bei grossen Blockaden kann man den Sprechanlass auf später verschieben oder auf Papier und Schreibstift zurückgreifen. Ein klärendes Gespräch über das Stottern wirkt sich oft sehr positiv aus.

Für viele Betroffene ist die Schule ein grosses Problem. Welche Lösungsansätze gibt es?
Empfehlenswert sind individuelle Abmachungen zwischen Lehrpersonen und dem stotternden Schüler. Weil Stottern eine anerkannte Behinderung im Sinne der IV ist, dürfen Lehrpersonen bei mündlichen Leistungen keine Notenabzüge infolge von Stotterblockaden vornehmen. Um die Tabuisierung des Stotterns und Hänseleien durch Kameraden zu vermeiden, ist es oft sinnvoll, im Klassenverband über das Stottern und über damit verbundene Aspekte zu sprechen. Falls das Stottern auch beim Lesen auftritt, empfiehlt es sich, einen weiteren Schüler als begleitenden «Schattensprecher» einzusetzen.

Ich biete den betroffenen Kindern und Jugendlichen an, gemeinsam vor der Klasse über den Problemkreis des Stotterns und die damit verbundenen Erfahrungen und Gefühle zu sprechen. Bei den Stotternden bewirkt dieser Vortrag in der Klasse häufig eine erfreuliche Verbesserung in Bezug auf ihr Sprechen und ihr soziales Verhalten.

Sind Wortwiederholungen und unflüssiges Sprechen normale Begleiterscheinungen einer gesunden Sprachentwicklung?
Tatsächlich zeigen viele Kinder im Lauf ihrer Sprachentwicklung Unflüssigkeiten und Wiederholungen von Wörtern und Silben, dies meist im Alter von drei bis sechs Jahren. Es ist ratsam, ganz natürlich darauf zu reagieren. Stellen sich jedoch Verkrampfungen ein, leidet das Kind unter seinen Redeflussproblemen oder bricht gar der Blickkontakt plötzlich ab, sollten die Probleme genauer erörtert werden. Bei Unsicherheiten empfiehlt sich der Kontakt mit einer Fachperson.

Wie häufig findet eine Stottertherapie statt?
Die Dauer und Frequenz einer Stotter-Therapie sind individuell sehr verschieden. Die Einzeltherapie findet in der Regel einmal wöchentlich, die Gruppentherapie einmal pro Monat statt.

Videos zum Thema Stottern

Hier berichten stotternde Menschen und ihre Bezugspersonen von ihren Erfahrungen, ihren Problemen und ihren Wegen aus der Sackgasse.
Wer die Videos nicht sehen kann, findet sie hier…

Eine ausführliche Version mit 18 Beiträgen kann als DVD bezogen werden. Mehr dazu hier…

Ein Jugendlicher erzählt

«Ich habe viel gelernt. Alles hängt im Leben miteinander zusammen. Man kann das Stottern nicht mit aller Kraft wegbringen. Es hilft, wenn man es akzeptiert. Manchmal stottere ich noch ein bisschen, aber das stört mich nicht weiter. Das Stottern ist ein Freund von mir geworden.»
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Ein Schüler erzählt

«Meine Familie hat viel mitgeholfen in der Stottertherapie. Ich habe mein Selbstvertrauen verbessert, bin kommunikativer geworden und wage es, meine eigene Meinung zu vertreten. Ich rede meistens flüssig. Mit gelegentlichem Stottern gehe ich locker um.»
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Eine Mutter erzählt

«Das Stottern meines Kindes hat mich sehr beschäftigt. Es ist sehr wertvoll, als Eltern in die Stotter-Therapie eingebunden zu werden und möglichen Ursachen auf den Grund zu gehen. Wir haben gelernt, gut mit dem Stottern umzugehen. Man kann ein glückliches Leben führen, auch wenn man stottert.»
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Ein Erwachsener erzählt

«Ich bin mutiger geworden und habe gelernt, mich zu wehren. Positiv war auch, dass ich mich vermehrt unter die Leute gemischt habe und kommunikativer geworden bin. Man kann aber nicht auf der faulen Haut liegen. 90% der Arbeit mache ich, 10% der Therapeut. Grosse Wirkung zeigten die Gespräche und die Mutübungen.»
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Beispiele

Die 6-jährige Julia* war bei Therapiebeginn sehr schüchtern und sprach meist mit leiser Stimme. Bei den Spielen mit der Schokohexe und dem Verkaufsladen taute die 6-Jährige langsam auf. Später erzählten wir uns gegenseitig Papa-Moll-Geschichten, wobei Julia mich während meines Erzählens spielerisch unter Druck setzen sollte. Später wechselten wir die Rollen und Julia freute sich darüber, mir zu beweisen, dass sie sich beim Erzählen nicht so schnell durch mich stressen liess. Gelegentlich sprachen wir über das Stottern und über die dabei auftauchenden Gefühle. Für Julia schien es eine Wohltat zu sein, wenn ich ihr erzählte, dass Stottern nichts Aussergewöhnliches sei, dass viele Menschen gut damit leben und dass man ausserdem lernen könne, mutiger zu werden. Dann und wann spiegelte ich Julias zarte Stimme oder ihre ängstliche Körperhaltung, worauf sie meist mit deutlich lauterer Stimme reagierte und amüsiert meine schüchterne Art beobachtete. In den Elterngesprächen wurde über den Umgang mit dem Stottern und über Konflikte in der Familie gesprochen und wie diese in ruhiger und konstruktiver Art geführt werden könnten. Die Therapie wurde erfolgreich abgeschlossen.

Richard*, der 30-jährige Bankangestellte, stellte hohe Anforderungen an die Therapie. Das Stottern sollte nach all den Jahren des Leidens eliminiert werden. So übten wir das langsame Sprechen, führten viele Gespräche und sahen uns diese öfters per Video an. Richard beurteilte sich auf diesen Videoaufnahmen zwar als selbstbewusst, jedoch allzu ernst und verbissen. Nach unseren vielen Gesprächen sah er nach und nach ein: «So schlimm ist dieses Stottern gar nicht. Mit der richtigen Einstellung lässt sich sogar ganz gut damit leben.» Und plötzlich lichtete sich eine Erkenntnis: «Da ich ja vor allem dann stottere, wenn ich mich minderwertig fühle, wäre es vielleicht doch angebracht, mein Selbstbewusstsein zu stärken.» Schritt für Schritt verabschiedete sich Richard von seinem Perfektionismus, richtete sich weniger nach den Erwartungen der Menschen, war grosszügiger gegenüber sich selbst und lebte recht zufrieden, auch wenn er noch immer ab und zu stotterte. So beendeten wir die Therapie in zufriedener Unvollkommenheit und in gegenseitiger Hochachtung.

Der 17-jährige Luca* hatte bereits zwei Therapien hinter sich. Das Stottern jedoch war noch nicht verschwunden und auch zu Hause gab es viele Konflikte. Die Mutter fühlte sich von Luca nicht ernst genommen: «Er zeigt keinen Respekt für meine Arbeit als Hausfrau und Mutter. Ausserdem reagiert er meist erst beim dritten Mal auf meine Äusserungen.» Der Vater meinte: «Mir gefällt nicht, dass du immer erst in letzter Sekunde für die Prüfungen lernst.» Luca beschwerte sich seinerseits über die Eltern: «Sie sehen alles so eng, haben keinen Humor. Warum sollte ich neben der Schule noch im Haushalt helfen? Meine Mutter hat doch gar nicht so viel zu tun. Ausserdem wird mir einfach viel zu wenig Freiheit gewährt.» Während zwei Jahren vereinbarte ich mit Luca und seinen Eltern ungefähr alle vier bis sechs Wochen einen Gesprächstermin. Alle Beteiligten formulierten ihre Wünsche für ein besseres Zusammenleben. Gemeinsam wurden Regeln und Abmachungen gefunden. Immer wieder formulierte ich Fragen, welche das Einfühlen in die Perspektive der anderen erforderten: «Luca, was würde deine Mutter wohl motivieren, dir mehr Freiheit und Verantwortung zu gewähren? Und was würde dein Vater wohl beobachten, wenn deine Beziehung zur Mutter besser funktionieren würde?» Nach einem halben Jahr gab es leider noch wenig spürbare Veränderungen. Die Ausdauer aber sollte sich auszahlen. Nach und nach verbesserte sich die Stimmung in der Familie. Die Mutter lernte, ihre Forderungen klar und ruhig durchzusetzen. Luca wurde selbständiger, hörte vermehrt beim ersten Mal, was seine Eltern sagten. Diese gewährten ihm mehr Freiheit. Einige Rückfälle mussten trotzdem noch überstanden werden. Nach zwei Jahren fanden alle Beteiligten, die Familiensituation sei nun so gut, dass es keine weiteren Gespräche mehr brauche. Der Redefluss und die Stimmlautstärke von Luca hatten sich deutlich verbessert. Die sprachlichen und zwischenmenschlichen Ressourcen waren aktiviert worden. Dennoch beschloss Luca, die Therapie für die Dauer eines Jahres fortzusetzen, um sich in den Bereichen Redefluss, Selbstvertrauen und Entwicklung von Spontaneität weiter zu verbessern.

Der 11-jährige Elio* wurde mir von seiner Lehrperson als fleissig und überangepasst beschrieben. Fehler zu machen sei für Elio sehr schlimm. Bei den Elterngesprächen erzählten alle Beteiligten von ihren Sorgen und Ängsten. Gemeinsam besprachen wir Strategien, wie man lockerer auf die Stotterblockaden reagieren könnte. Elio formulierte selbstbewusst: «Mama und Papa, ihr müsst gar nichts Spezielles tun, wenn ich stottere. Ich kann meistens ganz gut damit leben. Also bleibt cool!» Nach und nach lernte Elio, sich auch in andern Situationen zu wehren. Die Eltern reduzierten ihre Erwartungen und Elio entwickelte Humor gegenüber seinen Fehlern. Am Schluss der Therapie schrieb er: «Durch die Therapie wurde ich selbstbewusster, lernte meine Meinung zu sagen und anders mit meinem Stottern umzugehen. Obwohl ich noch immer etwas stottere, benötige ich nun keine Therapie mehr, denn es lässt sich gut damit leben.»

Alle mit * gekennzeichneten Personen waren Klientinnen und Klienten in meiner Praxis. Um die Anonymität zu gewährleisten, wurden die Namen geändert.

Info-Abend

Jedes Jahr findet in Luzern anlässlich des Welttags des Stotterns in Zusammenarbeit mit dem Verein Stottertherapie eine Info-Veranstaltung zum Thema Stottern statt. Alle sind dazu am 19. Oktober 19.00 Uhr herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Dieser Abend ist sowohl für Direktbetroffene und ihre Bezugspersonen wie auch für Therapeutinnen und Therapeuten geeignet.


Programm 2018

19. Oktober

19:00-20.00 Uhr:
Stotternde und ihre Bezugspersonen erzählen aus ihrem Leben, von ihren Erfahrungen, Schwierigkeiten und Fortschritten.
José Amrein, dipl. Logopäde, Luzern, spezialisiert in der Stotter-Therapie, äussert sich zum Thema Stottern und erzählt von seinen Erfahrungen. Um 20.00 Uhr wird ein Apéro serviert.

20:00-21.30 Uhr:
Im persönlichen Gespräch können Fragen geklärt werden. In Kleingruppen tauschen Menschen verschiedenster Altersstufen  in unkomplizierter Weise Erfahrungen aus.

Ort:
Hochschule Luzern – Soziale Arbeit, Werftestr. 1, Luzern (5 Minuten Fussweg vom Bahnhof Luzern)