Lösungsorientierte Beratung & Kurzzeit-Therapie

Lösungsorientierte Beratung & Kurzzeit-Therapie

«Es ist nie zu spät, das zu werden, was man hätte sein können.» T. S. Eliot

2007 habe ich an der Fachhochschule Nordwestschweiz den Titel „Master of Advanced Studies in systemisch-lösungsorientierter Kurzzeit-Therapie und Beratung“ erworben. Die Beratungen und Therapien in meiner Praxis zeigen, dass selbst bei chronischen Problemen in relativ kurzer Zeit viel Veränderung möglich ist.

Bei der differenzierten Erforschung der therapeutischen Wirksamkeit erzielt der systemisch-lösungsorientierte Ansatz aussergewöhnlich hohe Werte  (Forschungsergebnisse Grawe). Die systemisch-lösungsorientierte Beratung ist geprägt durch einen offenen Blickwinkel, beschäftigt sich mit den Stärken der Menschen und öffnet den Blick schnell für neue Lösungen.

Eine Sitzung à 50 Minuten kostet 140 Franken. Die Mit-Finanzierung durch die Krankenkassen ist möglich. Oft kann schon mit wenigen Sitzungen viel erreicht werden.


Was heisst lösungsorientiert?

  • Durch geschicktes Befragtwerden die Lösung selber entdecken
  • Untersuchen, was funktioniert
  • Miteinbeziehen der eigenen Stärken und Ressourcen

Was heisst systemisch?

  • Sichtweise aus anderen Perspektiven
  • Einbezug der Bezugspersonen und des Umfeldes
  • Vernetztes Denken und Handeln

Spezialisiertes Angebot

  • Einzelberatung, Coaching
  • Erziehungsberatung
  • Familienberatung
  • Interdisziplinäre Beratung
  • Paarberatung

Wann ist eine Beratung sinnvoll?

  • … wenn Sie sich neu orientieren möchten.
  • … wenn Sie Ihr Potential zu wenig ausschöpfen.
  • … wenn Sie unter chronischen Problemen leiden.
  • … wenn Sie am immer gleichen Punkt anstehen.
  • … wenn Sie wenig Hoffnung für die Lösung Ihrer Probleme sehen.

Erfahrungen aus meiner Praxis zeigen, dass schon einzelne Sitzungen grosse Veränderungen bewirken können.

Bachelorarbeit: Der lösungsorientierte Ansatz in der Logopädie

Nähere Infos

Der Amerikaner Steve de Shazer und die Koreanerin Insoo Kim Berg entwickelten in den letzten Jahrzehnten während ihrer eigenen therapeutischen Tätigkeit die systemisch-lösungsorientierte Gesprächstherapie, welche sich dank des grossen Erfolges international schnell verbreitete. Die Erkenntnisse der lösungsorientierten Therapie sind revolutionär: Um eine Lösung zu finden, müssen nicht das Problem und dessen Ursachen erörtert werden. Viel wirkungsvoller ist es, das Positive zu betrachten, die Ressourcen, die hypothetischen, neuen Lösungsideen und ganz besonders die Ausnahmen, in denen das Problem nicht in Erscheinung tritt.

Potential und Lösung – so die Erfahrung des lösungsorientierten Arbeitens – sind bei jedem Menschen bereits vorhanden, lediglich versteckt oder blockiert durch die immer gleichen, erfolglosen Lösungsversuche. Ausgehend vom Grundsatz «Wenn etwas funktioniert, so tu mehr davon!» werden sowohl vergangene, wie auch ausgedachte, zukünftige Erfolge genau unter die Lupe genommen. Durch gezieltes, differenziertes Befragen von bereits erfolgreichen Erfahrungen, durch gedankliche und emotionale Auseinandersetzung mit neuen Lösungsvarianten und durch genaues Erkennen der eigenen Ressourcen gelangen die Klienten zu neuen, überraschenden Lösungen.

Ergänzende Informationen aus Wikipedia  (15.02.2012)

Die lösungsorientierte Therapie ist eine spezielle Art der Gesprächstherapie, die von den Psychotherapeuten Steve de Shazer und Insoo Kim Berg 1982 erstmals vorgestellt wurde. Sie geht von dem Standpunkt aus, dass es hilfreicher ist, sich auf Wünsche, Ziele, Ressourcen, Ausnahmen vom Problem zu konzentrieren anstatt auf Probleme und deren Entstehung. Dieser Therapieansatz verbreitete sich in den letzten Jahren auch in anderen Bereichen wie Coaching, der Pädagogik, dem Management sowie der Seelsorge. Insbesondere verbreitet er sich in der Schweiz und in Teilen Deutschlands auch in der Sozialen Arbeit und in der Sozialpädagogik sowie in der Psychiatrie.

Für die Sozialpädagogik wurde die lösungsorientierte Therapie von den Begründern Steve de Shazer und Insoo Kim Berg in enger Zusammenarbeit mit Kaspar und Marianne Bäschlin adaptiert. Grundprinzipien Lösungsfokussierung bedeutet, die «positiven Unterschiede» zu erkennen und zu verstärken. Also das, was jetzt bereits besser funktioniert und passt und von dem gewünscht wird, es möge in Zukunft in noch stärkerem Maße so sein.

Wesentliche Elemente der Lösungsfokussierten Therapie entstammen der Kommunikationsforschung, den Sprachspielen von Ludwig Wittgenstein, der Systemtheorie und Selbstorganisation, der Kybernetik zweiter Ordnung, dem Konstruktivismus und der Hypnotherapie nach Milton H. Erickson. Gestützt wird diese Therapieform durch aktuelle Forschungsergebnisse der Hirnforschung, insbesondere dem Konzept der Neuroplastizität: Diese besagt, dass das Gehirn seine Struktur und seine damit zusammenhängende Funktion laufend verändert, der gemachten Erfahrung anpasst. So besteht Lernen in der Verstärkung synaptischer Verbindungen zwischen Neuronen. Das zentral und radikal Neue am Lösungsfokussierten Ansatz ist das Bekenntnis zur Einfachheit: Um in komplexen Situationen und Systemen erfolgreich zu sein, ist es nicht immer hilfreich, sie modellieren und verstehen zu wollen – hilfreicher ist es oft, unvoreingenommen zu beobachten, was alles wie gewünscht funktioniert, um in kleinen Schritten mehr davon zu tun. Die Wirksamkeit des lösungsfokussierten Kurzzeitkonzepts haben wissenschaftliche Studien bestätigt.


Die lösungsorientierte Haltung

Die Fähigkeit, eine lösungsorientierte Haltung gegenüber anderen Menschen einzunehmen, ist (mit-)entscheidend bei der Anwendung des Lösungsorientierten Ansatzes. Dies beinhaltet folgende Punkte:

  • Positives Menschenbild
  • Wertschätzende Haltung
  • Nicht-Wissen
  • Fragen statt sagen
  • Ideen und Anregungen statt Ratschläge
  • Die Klienten geben die Ziele vor
  • Ressourcen und Fähigkeiten erkennen
  • Auf das Gelingen fokussieren
  • Mit dem Klienten sprechen, statt über ihn
  • Hoffnung kreieren

Annahmen

Folgende Annahmen bilden – neben der Lösungsorientierten Haltung – die Ausgangslage für die Arbeit mit den Klienten: Probleme sind Herausforderungen, die jeder Mensch auf seine ganz persönliche Art zu bewältigen sucht.

  • Alle Menschen haben Ressourcen, um ihr Leben zu gestalten. In eigener Sache ist der Einzelne kundig und kompetent. Der Klient ist der Experte für das eigene Leben.
  • Menschen können nicht «nicht kooperieren». Jede Reaktion ist eine Form von Kooperation (auch das, was wir als Widerstand wahrnehmen.)
  • Nichts ist immer gleich. Ausnahmen deuten auf Lösungen hin.
  • Menschen beeinflussen sich gegenseitig. Sie kooperieren eher und ändern sich leichter in einem Umfeld, das ihre Stärken und Fähigkeiten unterstützt.
  • Es ist nützlich dem Klienten genau zuzuhören und ernst zu nehmen, was er sagt.
  • Es ist hilfreich, sich am Gelingen in der Gegenwart zu orientieren und davon kleine Schritte für die Zukunft abzuleiten.
  • Mit etwas aufzuhören, etwas zu stoppen ist die schwierigste Form der Veränderung.
  • Etwas Neues zu beginnen ist viel leichter und macht mehr Spass.
  • Man muss das Problem nicht kennen und analysieren, um eine Lösung zu finden.
  • Was wir bekämpfen, verstärken wir.
  • Hinter jedem Vorwurf und jeder Klage steckt ein Wunsch, den es sich lohnt aufzuspüren.

Lösungsfokussierung geht davon aus, dass:

  • positive Veränderungen in komplexen Situationen auf Basis kleiner Schritte geschehen.
  • für diese Schritte nur wenige Informationen über das, was bisher schon etwas besser funktionierte, genügen.
  • bei Analysen nicht die Frage «wie ist es – wie kam es dazu?», sondern die Frage «was macht den Unterschied zwischen besser/schlechter aus?» ins Zentrum rückt.
  • anstelle des «theoretisch umfassend Verstehenwollens» das konkrete Handeln in kleinen Schritten tritt.
  • von allen Beteiligten angenommen wird, dass sie interessiert an positiven Veränderungen sind.

Die sechs Merksätze zur lösungsorientierten Einfachheit

  • Lösungen statt Probleme: Nicht das Problemverständnis vertiefen, sondern erkunden, wie es ist, wenn es besser ist.
  • Interaktion statt isolierter Individualität: Unser Verhalten entwickelt sich in der Interaktion mit anderen. In der Lösungsfokussierten Arbeit wird nicht über Meinungen, Glaubenssätze oder Werte diskutiert, sondern über beobachtbares Handeln.
  • Beachte und nutze das, was da ist – nicht das Fehlende: Nicht die Lücke zwischen Ist und Soll ermitteln, sondern das, was – wenn auch nur selten – heute bereits etwas besser ist.
  • Die Chancen im Gestern, Heute und Morgen sehen: Chancen in der Zukunft und im Heute zu überlegen, ist ein vertrauter Gedanke. Eher unüblich ist es, auch im Gestern bewusst das zu erkunden, was sich früher bereits als Chance zeigte – um auch das zu nutzen.
  • Einfache Sprache: Statt langer, komplizierter, abstrakter und beeindruckend klingender Worte einfache Alltagsworte benutzen.
  • Jede Situation als speziell sehen – keine schlecht passende allgemeine Theorie darüberstülpen: Offen und neugierig sich jedes Mal von neuem positiv überraschen lassen.

Die drei Grundprinzipien

  • Repariere nicht, was nicht kaputt ist!
  • Finde heraus, was gut funktioniert und passt – und tu mehr davon!
  • Wenn etwas trotz vieler Anstrengungen nicht gut genug funktioniert und passt – dann höre damit auf und versuche etwas anderes!

Kleine Schritte

Die zentrale Voraussetzung jeder Beratung ist die Erwartung, dass sich etwas verändern und verbessern kann. Lösungsfokussierte Beratung glaubt, dass Veränderungsprozesse unvermeidbar sind und sich fortwährend ereignen. Die Methode unterscheidet sich von anderen Vorgehensweisen durch die Überzeugung des Beraters, dass bereits eine kleine Veränderung im Verhalten eines einzigen Menschen erhebliche und weitreichende Veränderungen aller übrigen Beteiligten nach sich ziehen kann. Sie konzentriert sich auf die Ausnahmen eines Problems, jene Momente, in denen kleine Veränderungen in der Stabilität eines Problemzustands auftreten. Der Ausbau einer schon vorhandenen Veränderung, so klein sie auch immer sein mag, wird als wichtiger betrachtet als darüber nachzudenken, wie sich falsches Verhalten korrigieren oder verändern lässt.

Ziel- und Ressourcenorientierung

Die Erforschung des spontanen oder willkürlichen minimalen Auftretens des erwünschten Zielzustands steht im Mittelpunkt der Interventionen. Lösungsfokussierte Beratung bedeutet: Die Lösung steht im Mittelpunkt. Das Verfahren zeichnet sich durch das Bemühen aus, persönliche und soziale Fähigkeiten einer Person deutlich zu machen und gemeinsam Lösungen zu konstruieren, d. h. Alternativen zu dysfunktionalen Gedanken-, Gefühls- und Handlungsmustern zu finden. Das Praxismodell fällt durch seine konsequente Ziel- und Ressourcenorientierung auf. Ressourcenorientierung meint eine Grundhaltung, die sich nicht an Defiziten, sondern an den Stärken und Kompetenzen der Menschen orientiert.

Lösungsfokussiertes Arbeiten hat zum Ziel, mit den Klienten gemeinsam Perspektiven zu entwickeln, welche sie ermutigen, möglichst selbst gefundene Schritte in Richtung ihrer angestrebten Ziele zu gehen. Lösungsfokussierte Kommunikation verzichtet weitgehend auf Diagnosestellungen, die sich an Defiziten eines Individuums ausrichten, d. h. sie ist gerade nicht kausal orientiert.

Neue Lösungsnetzwerke

Die Erkenntnisse der Neuroplastizität zeigen, dass Lernen und Verhaltensänderungen durch die Verstärkung synaptischer Verbindungen zwischen Neuronen auf Basis gemachter Erfahrungen zu Stande kommt. Die lösungsfokussierte Therapie unterstützt das, indem sie den Klienten Erfahrungen ermöglicht, die in die Richtung der Therapieziele der Klienten weisen. Steve de Shazer formuliert das so: «Wenn etwas funktioniert, tu mehr davon und wenn etwas nicht funktioniert, tu etwas anderes». Klienten sollen also eingeladen werden, mehr von dem zu tun, was in Richtung ihrer Ziele weist. Dadurch machen ihre neuronalen «Lösungsnetzwerke» Erfahrungen, die zu ihrer Verstärkung führen und die «Problemnetzwerke» verkümmern und verlieren an Einfluss.

Feedbacks

«Die Familiengespräche waren sehr nützlich. Je nach Situation konnten wir zusammen heikle Themen besprechen. Jedes Familienmitglied fand da einen Teil für sich selber zum Arbeiten. Gemeinsam Lösungen suchen war spannend.»

«Besonders positiv waren für mich die Verbesserungen beim Selbstvertrauen. Ich sehe nun vermehrt die positiven Seiten des Lebens. Durch die Gespräche bin ich ein anderer Mensch geworden.»

«Du hast mir vor Augen geführt, wie eine konstruktive und empathische Therapeuten-Klienten-Beziehung aussieht, was mich viel schneller erkennen liess, dass ich bei meiner Psychologin auf dem Holzweg war. Du gabst mir stets das Gefühl, dass du wahrhaftig an meiner Genesung interessiert bist, was ich so noch von keinem Therapeuten gespürt habe.»

«Als besonders hilfreich betrachte ich die Reflexion unseres Familiensystems. Mir hat es sehr geholfen, ungünstige Muster zu erkennen und zu verändern.»

«Ich konnte loslassen, was mich beschäftigte und habe wieder einmal so richtig gelacht. Ich merkte, dass ich etwas verändern muss. Die Gespräche haben mir gezeigt, dass ich auch jemand bin.»

«Ich betrachte die Situation jetzt aus einem ganz anderen Blickwinkel. Bei den Familiengesprächen konnte ich viele nützliche Anregungen mit nach Hause nehmen und im Alltag umsetzen.»

«Die regelmässigen Gespräche, die Offenheit, mit der ich Sachen ansprechen konnte und die Unterstützung gaben mir die Kraft den Weg zu gehen.»

«Du hast mich nicht wie andere Therapeuten versucht in eine Schublade zu stecken und bist mir auf Augenhöhe begegnet. Dass wir von Anfang an per Du waren, hat viel zum Vertrauen beigetragen. Auch dass du mir von der ersten Stunde an zugesichert hast, dass du alles mit mir unternehmen würdest, damit ich meine Probleme abbauen kann, hat mir gezeigt, dass ich bei dir gut aufgehoben bin.»

Beispiele

Der 10-jährige Jannik* war gefährdet, in ein tieferes Klassenniveau versetzt zu werden. Gemäss der Abklärung beim Schulpsychologen wurde die Intelligenz als normal eingeschätzt. Die Mutter meinte: «Jannik ist einfach zu faul.» Damit hatte sie vielleicht nicht ganz unrecht, ihre Ermahnungen und Drohungen schienen jedoch nicht zu fruchten. In der Therapie stellte ich Jannik viele Fragen: «Wie müsstest du wohl auf die nächsten Prüfungen lernen, damit du bessere Noten erreichst? Welche Ziele willst du in deinem Leben erreichen? Welchen Beruf möchtest du einmal erlernen? Welchen Schulstoff willst du aufarbeiten?» Mit Hilfe einer Lerntherapeutin verbesserte sich die Situation erheblich. Zu Hause wurde eine klare Regelung betreffend Fernseh- und Computerkonsum getroffen. Nach und nach lernte Jannik, Verantwortung für seine Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitungen zu übernehmen. Dies steigerte das Selbstvertrauen. Heute, vier Jahre später, besucht Jannik die Regelklasse und ist gemäss Informationen der Lehrerin ein angenehmer Schüler mit guter Arbeitshaltung und zufriedenstellenden Schulleistungen.

Der 19-jährige Samuel* kam meist mit einem Anliegen, einer eigenen Fragestellung in die Therapie: «Wie kann ich die Konflikte mit meinen Kollegen bereinigen? Wie gelingt es mir, beim Vortrag sicher und selbstbewusst aufzutreten? Wie kann ich mit meinen Grübeleien umgehen? Wie soll ich meinem arroganten Chef begegnen?» Die Stunden und Gespräche mit Samuel verflogen im Nu. Ohne jegliche Sprechtechniken, nur mittels Gesprächen und Rollenspielen packten wir das Ganze an. Ich teilte Samuel meine Meinung, meine Gedanken und Ideen mit, hörte ihm oft einfach zu. Manchmal stellte ich ihm ein paar unbequeme Fragen: «Wie müsstest du wohl reagieren, dass dich dein Chef ernst nimmt? Was könntest du denn Interessanteres tun als zu grübeln? Was könnte dich beim Vortrag selbstbewusst machen?» In anderen Momenten, wenn Samuel wieder mal in seine Opferhaltung zu versinken drohte, jammerte ich mit ihm über all das Ungemach auf diesem Planeten, jammerte noch ein bisschen mehr als er und plötzlich kippte die ganze Sache und Samuel begann mich aufzubauen und war frohen Mutes, seine Probleme anzupacken. Nach zwei Jahren war er nahezu stotterfrei und bereit fürs Leben ohne Therapie. Als 23-Jähriger produzierte Samuel einen herzergreifenden Stotter-Rückfall mit begleitenden gesundheitlichen Problemen und Arbeitsstellen-Verlust. Er kam nochmals während eines halben Jahres in die Therapie und seither verläuft sein Leben sehr zufriedenstellend.

Die Eltern des 9-jährigen Florian* nervten sich über die dauernden Übertretungen von Familienregeln. Trotz häufiger Strafen und Schimpfreden verbesserte sich die Situation kaum. In den gemeinsamen Therapiegesprächen wurde über die Lösung von Konflikten gesprochen. Mutter, Vater und Kind skalierten ihren Umgang mit Aggressionen von 1-10, wobei 1 einen wenig optimalen und 10 einen idealen Umgang mit Aggressionen bedeutete. Mit Erstaunen stellten die Eltern fest, dass ihr Wert nicht höher als derjenige des Kindes war. Motiviert gingen sie in der Folge an die Überlegung, wie sie ihren eigenen Wert verbessern könnten. Interessiert hörten sie den Ideen der andern zu. Florian offenbarte seinem Vater: «Wenn du schreist, bekomme ich Angst. Ich habe dann aber noch weniger Lust, das Gesagte zu tun.» Nach und nach veränderte sich das Konfliktverhalten der Familienmitglieder. Bei Auseinandersetzungen wurde nun auch Florians Meinung öfters miteinbezogen. Regeln und Forderungen wurden reduziert. In Stressmomenten konnten die Eltern vermehrt Ruhe bewahren. Sie berichteten, es werde zu Hause spürbar mehr gelacht und offener über alles gesprochen. Nach einem Jahr erreichten alle einen um zwei Punkte höheren Wert im Umgang mit Aggressionen und auch der Redefluss von Florian hatte sich deutlich verbessert.

Der 9-jährige Sebastian* und sein Vater verstrickten sich öfters in Machtkämpfe. Beide blieben in vielen Situationen stur und rückten kaum einen Millimeter von ihrer Meinung und von ihrem Vorhaben ab. Ausserdem ärgerte sich der Vater, dass Sebastian immer das letzte Wort behielt. Im gemeinsamen Gespräch fragte ich nach Kompromissen: «Sebastian, unter welchen Umständen wärst du bereit, nicht immer das letzte Wort zu behalten? Was wünschst du dir vom Vater?» Sebastian meinte: «Der Vater könnte mich öfters nach einem Lösungsvorschlag fragen. Ausserdem hätte ich es gerne, wenn mein Vater nicht drei Sachen gleichzeitig von mir verlangt.» Und der Vater meinte auf ähnliche Fragen: «Ich wünsche mir von dir, Sebastian, dass du auf meine Fragen und Kommentare gleich beim ersten Mal reagierst. Es wäre schön, wenn wir das letzte Wort in Zukunft kameradschaftlich teilen könnten.» Am Ende des Gesprächs meinten beide, sie seien gerne bereit, die Wünsche des andern in Zukunft mehr zu respektieren. Beim nächsten Treffen erzählte Sebastian sichtlich stolz von ersten errungenen Fortschritten. In der Folge reservierte der Vater täglich zehn Minuten, in denen er ganz allein für seinen Sohn da war. Dies ermöglichte weitere Verbesserungen in der Vater-Sohn-Beziehung.

Alle mit * gekennzeichneten Personen waren Klientinnen und Klienten in meiner Praxis. Um die Anonymität zu gewährleisten, wurden die Namen geändert.

Buchtipps

Brett, D. (2000): anna zähmt die monster. Salzhausen: Iskopress.
Heilende, lösungsorientierte Geschichten für Kinder

Damm, A. (2002): Frag mich! Frankfurt: Moritz Verlag.
108 Fragen an Kinder, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Ab 4 Jahren

De Jong, P. & Berg, I. K. (2003): Lösungen (er-)finden. Dortmund: verlag modernes lernen.
Eine umfassende Einführung mit vielen anschaulichen Beispielen

Frankl, V. (1977): … trotzdem Ja zum Leben sagen. München: Kösel.
Wie ein Psychologe das Konzentrationslager erlebt und trotzdem lösungsorientiert denkt

Frick, J. (2007): Die Kraft der Ermutigung. Bern: Huber.
Grundlagen und Beispiele zur Hilfe und Selbsthilfe

Furmann, B. (1999): Es ist nie zu spät eine glückliche Kindheit zu haben. Dortmund: borgmann.
Beeindruckende Lebensgeschichten, die zeigen, dass niemand ein Gefangener seiner Vergangenheit zu sein braucht

Kindl-Beilfuss, C. (2009): Fragen können wie Küsse schmecken. Heidelberg: Carl Auer.
Systemische Fragetechniken für Anfänger und Fortgeschrittene

Grolimund, F. (2014): Psychologische Beratung und Coaching. Bern: Huber.
Lehr- und Praxisbuch für Einsteiger

O’Hanlon, B. (2007): Probiers mal anders. Heidelberg: Carl Auer.
Zehn Strategien, die das Leben verändern können

Steiner, T. & Berg, I.K. (2005): Handbuch Lösungsorientiertes Arbeiten mit Kindern. Heidelberg: Carl Auer.
Praxisorientierte Vorschläge für die Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie

Vogt, M. & Burr, W. (2002): Kinderleichte Lösungen. Dortmund: borgmann.
Kreative, lösungsorientierte Ideen für die Therapie mit Kindern

Vogt, M. & Burr, W. (2002): Lösungen im Jugendstil. Dortmund: borgmann.
Systemisch-lösungsorientierte, kreative Kinder- und Jugendlichentherapie

Werner, R. (2003): Let’s talk Familiy. Frankfurt: Eichborn.
Ein interessantes Lese-Spiel-Buch mit spannenden Fragen

Zitate

«Es ist wichtig, im Leben Ziele zu haben und diese zu verfolgen, denn die wirklich interessanten Dinge passieren auf dem Weg dort hin.»
Thomas Moos

«Die Ressourcen, die du brauchst, findest du in deiner eigenen Geschichte.»
Milton Erickson

«Jeder kann über sich hinauswachsen und etwas erreichen, wenn er es mit Hingabe und Leidenschaft tut.»
Nelson Mandela

«Wer die Menschen behandelt wie sie sind, macht sie schlechter. Wer sie aber behandelt wie sie sein könnten, macht sie besser.»
Johann Wolfgang von Goethe

 «Die größte Entscheidung deines Lebens liegt darin, dass du dein Leben ändern kannst, indem du deine Geisteshaltung änderst.»
Albert Schweitzer

«Alles bleibt so, wie es ist, es sei denn, irgendjemand sorgt dafür, dass es verändert wird.» Fritz Simon

«Das Ziel ist erreicht, wenn man eine neue Idee hat.»
Steve de Shazer

«Im Alltag gibt es viele Methoden, um die Aufmerksamkeit zu fesseln, gewohnte Assoziationen außer Kraft zu setzen und dadurch eine unbewusste Suche nach einer neuen Erfahrung oder Antwort auf ein Problem auszulösen.»
Milton Erickson

«Jeder Klient stellt den Therapeuten vor die Aufgabe, eine neue Theorie zu erlernen und einen neuen therapeutischen Kurs einzuschlagen.»
Barry Duncan

«Wenn du eine weise Antwort verlangst, musst du vernünftig fragen.»
Johann Wolfgang von Goethe

«Von einem guten Kompliment kann ich zwei Monate leben.»
Mark Twain

«Das Beste des Arztes liegt im Patienten.»
Paracelsus

«Jeder Mensch konstruiert seine eigene Wirklichkeit.»
Heinz von Förster

«Wer einsieht, dass er seine Wirklichkeit selber konstruiert, der ist wirklich frei. Er weiss, dass er seine Wirklichkeit jederzeit ändern kann.»
Paul Watzlawick

«Vorstellungskraft ist wichtiger als Wissen.»
Albert Einstein

«Es existiert keine Wahrheit. Es existiert nur Wahrnehmung.»
Gustave Flaubert

«Alles Erleben, jede Form des Alltagsbewusstseins ist Ergebnis eines selbsthypnotischen Prozesses.
Gunther Schmidt

«Um klar zu sehen, genügt oft eine Veränderung des Blickwinkels.»
Antoine de Saint Exupéry

«Alles, was du dir vorstellen kannst, ist wirklich.»
Pablo Picasso

«Neugier führt zur Erforschung und Erfindung alternativer Sichtweisen und Bewegungen.» Gianfranco Cecchin

«Man kann dem andern die Wahrheit nicht bringen, man findet sie miteinander.»
Hans Trüeb

«Willst du erkennen, so lerne zu handeln.»
Heinz von Förster